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Kaum Durchkommen im "Bretterwald"

20.01.2012 - 13:53 von Weser-Kurier (Merle Osterthun)


Diskussion um umstrittene Abwehrtechnik


Delmenhorst. Zwar sind die deutsche Hockey-Herren- und Damen-Nationalmannschaft am vergangenen Wochenende wieder einmal Hallen-Europameister geworden, jedoch waren ihre Siege - im Gegensatz zu früher - alles andere als Selbstläufer. Immer wieder wurden ihnen nämlich durch das "Brettlegen" Steine beziehungsweise Schläger in den Weg gelegt. Dadurch ist die Diskussion über diese umstrittene Abwehrtechnik neu entbrannt.

 

Seit 1976 darf im Hallenhockey das Brett, also der Schläger, in voller Länge flach auf den Boden gelegt werden. Dadurch deckt er eine große Fläche ab, die nur noch sehr schwer zu umspielen ist, sodass fast jeder filigran vorgetragene Angriff einer Mannschaft in den "Brettern" der Gegner hängen bleibt. Das war auch bei der Europameisterschaft in Leipzig mehrfach zu sehen, bei der es technisch gut ausgebildete Teams wie Deutschland verhältnismäßig schwer hatten. "Vor allem fallen durch die erschwerten Angriffsbedingungen weniger Tore", erklärt Ulli Hader, der Trainer des Hockey-Oberligisten HC Delmenhorst.

 

Daher waren schon vor der EM Stimmen laut geworden, die forderten, das "Brettlegen" im Hallenhockey abzuschaffen. Bestach der Sport früher nämlich vor allem durch seine Dribbelfreudigkeit, sind Kombinationen und Soli für Angreifer durch die Abwehrtechnik mittlerweile fast unmöglich geworden. Nach Ansicht vieler Zuschauer, Trainer, Spieler und Funktionäre ist das der Grund, warum ihr Sport an Attraktivität und Popularität verloren hat. Sie beklagen, dass die Spiele langweiliger geworden sind, weil weniger Tore fallen. HCD-Coach Hader beobachtet die Diskussionen um das "Brettlegen" seit vielen Jahren und kennt die Problematik. "Es ist natürlich wesentlich schwerer, die Abwehrreihen zu umspielen", weiß er aus eigener Erfahrung.

 

In der Saison 2009/2010 wollte die International Hockey Federation (FIH) das "Brettlegen" schon einmal verbieten. "Ich denke, sie hat es damals gelassen, weil es einfach zu viel Kritik und Unsicherheiten gegeben hat", vermutet Hader. Und die gibt es immer noch: "Eine einheitliche Regelung ist fast unmöglich. Wie sollen die Schiedsrichter das Legen denn unterbinden oder ahnden?", fragt der Oberliga-Trainer, der selbst die Schiedsrichter-C-Lizenz besitzt. Trotzdem findet er: "Ein Verbot wäre eine Revolution für den Hockeysport, die das gesamte Spiel verändern würde." Janine Naumann steht solch einer Veränderung skeptisch gegenüber. "Ich glaube, es wäre nicht sinnvoll, die Technik zu verbieten", sagt die Schiedsrichterobwartin des HCD.

 

Dass die Schnelligkeit des Hockeyspiels durch das "Brettlegen" verloren geht - wie viele Gegner der Abwehrtechnik behaupten - glauben Naumann und Hader nicht. "Wenn ich weniger Platz habe, muss ich doch gerade schneller spielen, um an der Abwehr vorbei zu kommen", erklärt Hader. Genauso sieht es Naumann: "Hallenhockey lebt von seiner Schnelligkeit, und die kommt ja erst dadurch zustande, dass viele Bälle durch das „Brettlegen“ abgefangen und in Konter verwandelt werden."

 

In zahlreichen Internet-Foren wird die Abwehrtechnik ähnlich kontrovers diskutiert. Vor allem die Gesundheitsgefährdung der Spieler ist dabei immer wieder ein großes Thema. In den Jugend- und unteren Spielklassen sei die Zahl der Fingerbrüche und Gesichtsverletzungen durch das "Brettlegen" gestiegen, wird oft behauptet. Genau das Gegenteil sei aber der Fall, glaubt die Schiedsrichterin Naumann. "Wenn es kein „Brettlegen“ mehr geben würde, gäbe es mehr Körperkontakt und somit sicherlich auch mehr Verletzungen."

 

Ähnlich wie Naumann, sprechen sich viele Skeptiker gegen ein Verbot der Abwehrtechnik aus. Für sie hat die Torflaute im Hallenhockey nichts mit dem "Brettlegen" zu tun, sondern mit der verbesserten Athletik und dem guten taktischen Verständnis der Spieler und vor allem der Torhüter. Eine Alternative, die das "Brettlegen" weiter erlaubt, aber gleichzeitig die Trefferquote erhöht, erprobte der französische Hockeyverband vor zwei Jahren. Anstatt mit fünf spielten die Mannschaften mit vier Spielern, was zu mehr Freiräumen und somit wieder zu mehr Toren führte. Für Hader stellt das jedoch keine Alternative dar: "Ich fände es nicht gut, mit noch weniger Spielern in die Hallensaison zu gehen. Dann müssen zu viele aus der Feldsaison aussetzen oder aber es würde noch mehr Mannschaften geben."

 

Ob das "Brettlegen" tatsächlich bald verboten wird, könnte sich im März zeigen. Dann diskutiert die FIH-Regelkommission auf einer Sitzung in Singapur darüber.

 

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